Tanja Lenglemann : les métiers du plurilinguisme

Wie arbeiten Sie? Wählen Sie selbst die Kunstwerke aus, die Sie in den Audioguides kommentieren?

 

Ich treffe mich zunächst mit dem Auftraggeber (Museumsdirektor, Kurator...) diskutiere den Ansatz, den die Audiotour für die betreffende Sammlung oder Ausstellung haben sollte. Ideell lege ich zusammen mi dem Verantwortlichen die zu kommentierenden Kunstwerke aus. Häufiger kommt es aber vor, dass ich den Ausstellungplan mit Hängung erhalte oder nur die Liste der Ausstellungsobjekte und selbst eine Liste vorschlage. Die Liste muss alle Räume und Aspekte einer Ausstellung gleichmäßig berücksichtigen und decken und Raum für besondere Geschichten geben. Dann erarbeite ich, häufig zusammen mit dem Autor, der dann schreibt, das sogenannte "creative treatment", ein Dokument, das den Ansatz und die Geschichte vorstellt mit der Liste der zu kommentierenden Werke, inklusive Länge und Art der Erzählung:

  • klassischer Ansatz: ein Erzähler, der die Kunstwerke kommentiert)
  • "Interview driven" (Erählung mit Integration eines oder mehrer Interviews mit dem Kurator oder anderen Experten)
  • Dramatized Tour: eine Art Hörspiel mit fiktiven Charakteren, dieser Ansatz wird u. a. prinzipiell für Kindertouren verwendet.

Konzipieren Sie den Text alleine?

 

Ich habe in der Vergangenheit zahlreiche Touren selbst geschrieben und arbeite jetzt mit zahlreichen externen Autoren zusammen. Die Auswahl des Autors einer Tour hängt vom Ansatz und vom Kunden ab. Für ein klassisches Museum arbeite ich mit Kunsthistorikern, die in der jeweiligen Epoche spezialisiert sind, zusammen, für Ausstellungen wie beispielsweise "Banksy" im MUDEC, Mailand, mit Drehbuchautoren.

 

Sind es Sie, die im Audioguide spricht?

 

 

Nein, nur auf Deutsch in Ausnahmefällen und ganz kurzen Texten, da ich selbst aus Interesse entsprechende Kurse belegt habe. Ich arbeite in Rom ausschließlich mit professionellen Sprechern, bzw. Schauspielern zusammen und nehme in einem Tonstudio unter meiner Regie auf. Die Regie bezieht sich auf den Charakter der Rolle, die Korrektheit der Intonation und, ganz wichtig, auf die Aussprache ausländischer Namen und Ausdrücke!

 

Gibt es unterschiedliche Formen eines Audioguides? (Für Kinder zum Beispiel oder generell in Form und Gestalt).

 

Ja. Beispielsweise in Italien machen wir für fast jede größere Ausstellung eine Tour für Erwachsene und eine für Kinder (7-11 Jahre). Die Tour für Erwachsene wird auch ins Englische übersetzt, und je nach Stadt und Region in andere Sprachen, in Turin, Neapel und Venedig, auch ins Französische, in Rovereto (MART) auch ins Deutsche. Beim Abendmahl von Leonardo oder den Vatikanischen Museen haben wir etwa 10

Sprachen.

 

Was müssen Sie bei der Arbeit an einem Audioguide beachten? Gibt es eine Art Arbeitsanweisung, der Sie folgen müssen?

 

Ein Text für das Ohr bringt andere Notwendigkeiten als ein Text für die gedrucke Seite mit. Man schreibt anders und stellt sich vor, vor dem Werk oder Monument zu stehen und die Erzählung sollte Spannung erzeugen. Jeder Kommentar ist eine kleine Geschichte für sich. Die Sätze sollten klar, prägnant un relativ kurz sei, ansonsten erinnert man sich kaum an das Erzählte.

Es gibt eine ganze Anzahl von Regeln, die ein Autor oder Übersetzer beachten sollte, damit ein Text gut angehört werden kann.

 

Was für eine Beziehung haben Sie zu Sprachen allgemein? In welchen Momenten/Situationen nutzen Sie welche Sprache?

 

Ich lebe in Rom und spreche Deutsch mit meinem einjährigen Sohn, Italienisch mit meinem Mann und während des Arbeitstags häufig Englisch als einzige gemeinsame Sprache aller Kollegen. Ich denke in der Sprache, die ich jeweils benutze. Ich konzentriere mich darauf die Sprachen möglichst nie zu mischen und jeweils ganz umzuschalten. Die Versuchung zu mischen ist natürlich immer groß, da bekanntlich viele Ausdrücke ein bestimmtes Konzept nur in einer Sprache ganz genau treffen.

 

 

Propos recueillis par CLR