Gespräch mit Peggy Bockwinkel, Koordinatorin des Master-Studiengangs Digital Humanities an der Universität Stuttgart

« Die Digital Humanities bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaft und Informatik. 

 

Eine Person, viele Tätigkeitsfelder

 

« Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Stuttgart, arbeite für die Abteilung Digital Humanities, die zum Institut für Literaturwissenschaft gehört, und koordiniere den Masterstudiengang „Digital Humanities“

 

« Den typischen Arbeitstag gibt es nicht! An der Uni im Büro arbeite ich meist zu 100% für den Studiengang und erledige administrative Tätigkeiten: Da gibt es auf der einen Seite Studierende, die zu mir in die Sprechstunde kommen und die meine Hilfe und Unterstützung in Bezug auf den Studiengang brauchen. Auf der anderen Seite verbringe ich viel Zeit damit, Anfragen per Email zu beantworten; ich telefoniere viel und habe Termine: Ich stehe mit dem Prüfungsamt und anderen Studiengangs-managern in Verbindung, arbeite mit der Verwaltung zusammen, habe aber auch Kontakt zur Unibibliothek oder der Rechtsabteilung.

 

« Außerdem bin ich in der Lehre tätig. Dieses Semester bin ich für die Ringvorlesung „Informa-tik für Geisteswissenschaftler“ verantwortlich, in der Kollegen aus der Informatik vortragen. Ich moderiere die Veranstaltung, d.h. ich sorge für einen reibungslosen Ablauf und nehme vorab Kontakt mit den Vortragenden auf, spreche organisatorische Dinge mit ihnen ab und stelle sie zu Beginn einer Sitzung vor.

« Darüber hinaus bin ich Doktorandin und schreibe meine Dissertation zu einem linguistischen Thema mit einer literatur-wissenschaftlichen Fragestellung. Ich untersuche die Funktion von deiktischen Ausdrücken in literarischen Texten. Dabei wende ich auch Methoden der Digital Humanities an. Im Rahmen meiner Forschung bewerbe ich mich für Konferenzen, halte Vorträge und schreibe Auf-sätze. Im Moment bereite ich außerdem zusammen als Mitherausgeberin einen Sammel-band vor. Die letztgenannten Tätigkeiten fallen für mich in den Bereich des Home-Office. Zu Hause habe ich Ruhe und kann mich auf Dinge konzentrieren. Wenn ich mehr als drei Gehirnzellen brauche, arbeite ich zu Hause.

 

« Ein weiterer Teil meiner Arbeit ist die Teil-nahme an Konferenzen und Workshops. Es gibt große Veranstaltungen, bei denen es wichtig ist, präsent zu sein. Die DHd gehört beispielsweise dazu. Das ist eine Konferenz für die Digital Humanities im deutschsprachigen Raum, die 2013 ins Leben gerufen wurde und einmal jährlich stattfindet. Man geht zu Vorträgen, hält im Idealfall selbst einen Vortrag, nimmt an Workshops teil und hat Zeit, sich mit Kollegen auszutauschen. Der Austausch ist wichtig, um Meinungen und Tendenzen mitzubekommen, die vielleicht nur mündlich kommuniziert werden können. Neben dem Lesen von Fachliteratur ist das eine weitere und wichtige Möglichkeit, über die neuesten Entwicklungen informiert zu bleiben. Konferenzen sind kein typischer Arbeitsalltag, aber enorm wichtig und bereiten mir viel Freude!

Von der Wirtschaft zur quantitativen Literaturwissenschaft

 

« Nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau für internationales Marketing habe ich Germanistik und Linguistik auf Magister an der Uni Stuttgart studiert. Es war für mich relativ schnell klar, dass ich Linguistik zwar extrem spannend finde, dass es jedoch auch sehr abstrakt ist. Schon in meiner Magisterarbeit habe ich mich mit dem Thema „Deixis“ auseinander-gesetzt und angefangen, deiktische Ausdrücke in Erzähltexten auszuzählen. Ich wusste damals zwar noch nicht, dass es so etwas wie Digital Humanities gibt, aber ich hatte schon von der quantitativen Literaturwissenschaft gehört und mich dann in diese Richtung orientiert.

 

« In Stuttgart habe ich nach meinem Studium 2013 das Angebot bekommen, das Lehrprojekt „Das digitale Archiv“ zu koordinieren. Ziel war es, Bachelorstudierenden aus den Geistes-wissenschaften die Digital Humanities näher-zubringen. Ich war total begeistert, weil sich mir mit den Digital Humanities ein spannender Bereich eröffnet hat, in dem ich lernen konnte, meine Forschungsfragen effizienter, strukturier-ter und wissenschaftlicher als bisher zu beantworten.

 

« Da ich bereits Erfahrungen im Bereich der Lehre und den Digital Humanities hatte, durfte ich - parallel zur Projektkoordination – den Masterstudiengang Digital Humanities zusammen mit meinem Kollegen Nils Reiter aus der Computerlinguistik über ungefähr anderthalb Jahre planen und aufbauen. Wir haben vorab viel diskutiert und sehr genau überlegt, wie ein Curriculum für den Standort Stuttgart aussehen sollte. Den ersten Jahrgang konnten wir im letzten Wintersemester 2015/2016 begrüßen. Gleichzeitig mit dem Master wurde eine Professur ausgeschrieben, und mittlerweile gibt es auch eine Abteilung „Digital Humanities“ mit vier Mitarbeitern.

 

Aufbau des Masterstudiengangs „Digital Humanities“ an der Universität Stuttgart

 

Jeder Bachelorabsolvent eines geistes-wissenschaftlichen Fachs mit ausreichenden Deutschkenntnissen kann sich bei uns für den Studiengang bewerben, solange der Noten-durchschnitt 2,5 (14/20 in Frankreich) oder besser ist. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester, wobei wir unseren Studierenden empfehlen, die Regelstudienzeit als Richtlinie und nicht als in Stein gemeißelt anzusehen. 

« Der Studiengang besteht aus drei großen Bereichen: einer geisteswissenschaftlichen Vertiefung, einer informatischen Spezialisierung und einer Spezialisierung in den Digital Humanities. Je nach Interesse können die Studierenden die geisteswissenschaftliche Vertiefung oder die Spezialisierung in der Informatik stärker gewichten. Es war uns sehr wichtig, Studierenden diese Möglichkeit zur Vertiefung und Weiterentwicklung in ihrer Herkunftsgeisteswissenschaft zu bieten.

 

« In der Spezialisierung des informatischen Bereichs werden den Studierenden in den ersten Semestern Grundlagen in der Computerlinguistik und des Programmierens vermittelt. Anschließend können Sie Veranstaltungen zusammen mit Bachelorstudierenden der Infor-matik oder der Computerlinguistik besuchen. Die Studierenden lernen in der Spezialisierung der Digital Humanities die Methoden der Digital Humanities und deren Anwendung kennen. Sie arbeiten im zweiten Semester in einem studentischen Team an einem gemeinsamen Projekt, reflektieren im dritten Semester kritisch die Methoden der Digital Humanities und überlegen sich ihr Masterarbeitsthema. Im letzten Semester kann das Studium mit der Masterarbeit abgeschlossen werden. 

 

« Das Level Null in Informatik ist völlig OK.

 

« Der Studiengang richtet sich an Studierende der Geisteswissenschaften und insofern gehen wir davon aus, dass diese normalerweise keine oder nur wenig informatische Vorkenntnisse besitzen. Aber dieses Level Null in Informatik ist völlig in Ordnung. Um den Einstieg zu erleichtern, wird der Unterricht in den ersten Semestern von Kollegen gehalten, die auch im Digital Humanities-Bereich tätig sind, also erfahren in der Kommunikation mit Geisteswissenschaftlern. Das funktioniert sehr gut, aber ersetzt natürlich nicht den Arbeitsaufwand, der z.B. mit dem Erlernen einer Programmiersprache erforderlich ist. Wie beim Lernen einer Fremdsprache gilt: Sie müssen üben, üben, üben. Doch die Mühen werden in Form schnell ersichtlicher Lernfortschritte belohnt. Hinzu kommt, dass es sich um einen bislang kleinen Studiengang mit jeweils ca. 20 Studenten handelt, in dem es leicht ist, Bekanntschaften zu schließen und in dem sich die Kommilitonen gerne gegenseitig unterstützen.

 

Selbständigkeit und Praxis im Studium

 

« Wir legen sehr viel Wert auf eine wachsende Selbstständigkeit im Studium. So besuchen Erstsemester unseres Masterstudiengangs zwei Vorlesungen mit jeweils einer vorlesungs-begleitenden Übung, in der theoretisch Erlerntes in die Praxis umgesetzt wird. Im zweiten Semester gibt es ein Projektseminar, in dem eine Projektarbeit angegangen wird, die sich mit praktischen Fragestellungen auseinandersetzt.

 

« Eines dieser Projektseminare habe ich letztes Sommersemester geleitet. Die Werke Käte Hamburgers sollten auf einer Onlineplattform präsentiert werden. Käte Hamburger war eine wichtige Philosophin und Literatur-wissenschaftlerin des 20. Jahrhunderts, die lange Zeit an der Uni Stuttgart gearbeitet hat, und für die hier eine eigene Forschungsstelle eingerichtet worden ist. Die Forschungsstelle möchte Hamburgers Schriften der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Als Dienstleister für die Forschungsstelle musste unsere Projektgruppe – bestehend aus vier Studierenden – zuerst eigene Ziele festlegen, die gleichzeitig den Vorgaben des Auftraggebers nicht widersprechen durften. Es wurden nicht nur neue technische Kompetenzen erworben, sondern auch grundlegende Fähigkeiten für die Arbeit im Team oder das Projekt- und Zeitmanagement erarbeitet. Der Erwerb von Soft Skills ist vor allem für einen guten Start ins Berufsleben nicht zu unterschätzen.

 

« Im Semester nach der Projektarbeit haben die Studierenden die Gelegenheit, in einem Modul die Digital Humanities kritisch zu reflektieren, um dann schließlich mit der Masterarbeit abzuschließen, die sozusagen am Ende der Selbständigkeit steht und auf deren Ergebnisse wir sehr gespannt sind.

 

Geisteswissenschaftler sind Multitalente 

 

« Ich glaube, die Frage nach den Berufs-möglichkeiten ist enorm wichtig, gerade für die Studierenden eines geisteswissenschaftlichen Fachs. Als Geisteswissenschaftler können Sie im Prinzip alles machen; Sie können sich für jeden Job bewerben, weil Sie vielfältige Kompetenzen im Studium erworben haben, die Sie dazu befähigen, viele verschiedene Stellen auszufüllen. Gehen wir von den klassischen Berufsfeldern für den Geisteswissenschaftler aus, also der Medienwirtschaft, dem Verlagswesen oder kulturellen Bereichen wie dem Theater: Wer Digital Humanities studiert hat, dem steht neben dieser Welt noch eine andere offen  – Sie haben deutlich mehr Möglichkeiten, weil Sie programmieren können und weil Sie die Fachkultur der Informatiker und ihre Fachsprache kennen. Sie können in einem Zwischenbereich arbeiten, nämlich dort, wo es digitale Schnittstellen gibt und die Kommunikation zwischen Informatikern und anderen Fachbereichen gefragt ist. Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen hat einen großen Webauftritt mit Internetshop. Nun will die Marketingabteilung ihre Marketingstrategie ändern. Sie kommuniziert dabei nicht mit den Programmierern direkt, sondern wendet sich an die „Mittlerstellen“. Für diese Stellen sind Leute gefragt, die sowohl den Informatiker, als auch den anderen Fachbereich verstehen und zwischen ihnen „vermitteln“ können. Genau diese Stelle kann vom Digital Humanist eingenommen werden. Dieser Tätigkeitsbereich ist wachsend in unserer immer stärker digital vernetzten Welt.

 

Muster und Strukturen: Hofmannsthal digital

 

« Was verstehe ich unter Digital Humanities? Ganz allgemein formuliert: Die Digital Humanities bewegen sich an der Schnittstelle zwischen den Geisteswissenschaften und der Informatik. Das heißt, dass Geistes-wissenschaftler computergestützte Methoden anwenden, um Zugänge zu ihrem Forschungsgegenstand zu bekommen und Forschungsfragen zu beantworten.

 

« Mein Forschungsgegenstand für mich als Literaturwissenschaftler sind literarische Texte. Mein Textkorpus umfasst mehrere tausend Dateien. Ich lese die enthaltenen Texte jedoch nicht Wort für Wort, sondern durchsuche sie mit computergestützten Methoden nach Kriterien, die ich anhand meiner Forschungsfrage festgelegt habe. Die Ergebnisse werden in der Regel visualisiert, sodass es einfacher ist, Muster und Strukturen zu erkennen, bzw. Auffälligkeiten sichtbar zu machen. Ich bewege mich damit im Bereich der quantitativen Textanalyse, der einen Schwerpunkt der Digital Humanities der Universität Stuttgart darstellt.

 

 

Entretien avec Eve-Marie Rollinat-Levasseur, Vice-Présidente chargée des pédagogies innovantes et des ressources numériques, Université Sorbonne Nouvelle Paris 3

« Ce qui est en train de se passer, c'est une révolution culturelle, semblable à celle qu'il y a eu avec Gutenberg. Il serait à mon sens, et c'est là que j'ai une position politique, primordial que toutes nos disciplines s'en saisissent, car sinon on va passer à côté : il se passe quelque chose d'extraordinaire. Il faut comprendre et accompagner ces trans-formations. On sait qu'on en est qu'au début. Nous sommes, vous êtes en train de vivre une révolution palpitante ! 

 

Une littéraire confrontée au numérique

 

Agrégée de lettres classiques, vous avez commencé à France Culture à 21 ans. Avant de poursuivre votre carrière dans le secondaire et à l'université, vous y avez travaillé comme productrice de 1989 à 2003

« Je fabriquais des émissions, je proposais des sujets, à une époque où on travaillait encore sur des supports non numériques. Ce n'est pas moi qui faisais les montages, j'imaginais les émissions, j'allais interviewer, etc. Puis vint le moment où on commençait à passer au digital ! La dernière émission que j'ai faite était en montage numérique, ce qui transformait complètement le rapport au son : on le voyait sur l'écran de l'ordinateur, ce qui conduisait inévitablement à s'aider de la vue pour faire le montage des enregistrements et non plus à se fier à la seule écoute des bandes son.

 

Vous avez consacré votre thèse au théâtre du 17e siècle. Vous êtes partie aux Etats-Unis...

« Oui, c'était en 1995, au moment où le numérique a fait son entrée dans les universités américaines. C'est le moment où tout a basculé, c'était le début des courriels et d'internet dans les universités américaines ! Là, j'ai eu un peu de chance car je ne sais pas quand je me serais mise à ce genre de choses... J'ai ensuite obtenu un poste de maître de conférences de langue et de littérature française dans un département de FLE.  C'est là que j'ai consacré une partie de mes travaux de recherche à la didactique des langues par la pratique théâtrale.

 

A nouvelle ère, nouvelles responsabilités

 

Aujourd'hui, vous êtes maître de conférences de langue et littérature françaises et Vice-présidente des pédagogies innovantes et des ressources numériques à la Sorbonne Nouvelle. 

« J'ai d'abord été élue au CFVU (Commission de la formation et de la vie universitaire) - en même temps que votre professeur Patrick Farges. Puis, après les dernières élections, le Président de l’université Carle Bonafous-Murat m'a proposé de prendre en charge la Vice présidence des pédagogies numériques. Le ministère venait d'imposer qu'il y ait des vice-présidents numériques dans chaque établissement. Nous avons discuté du titre de cette nouvelle présidence qui n'existait pas encore pour aboutir à « vice-présidence chargée des pédagogies innovantes et des ressources numériques ».

 

« Il n'y avait jamais eu de vice-présidente non plus de la pédagogie : on en parle plutôt pour le primaire ou le collège ! Mais c'est un besoin qui émerge et le ministère nous invite à développer aussi les questions touchant à la pédagogie universitaire. Nous nous sommes donc dit qu'il fallait développer une véritable politique de la pédagogie universitaire liée aux ressources numériques à la Sorbonne Nouvelle. Cette question de la pédagogie par le numérique se pose depuis quelques années et notamment depuis l'explosion des MOOC.

« Il était crucial pour moi que ce soient des pédagogies innovantes et des ressources numériques parce que cela se recoupe mais ne saurait se recouvrir. Ce n'est pas parce qu'on fait du numérique que c'est innovant. 

 

Vous avez également co-organisé le colloque « De l'archive aux données massives : enjeux et pratiques universitaires en humanités numériques » en mars 2016 et vous faites partie du groupe de travail sur la mise en place d'un cursus d'humanités numériques au sein de l'USPC... 

« En décembre 2015, la présidence de l'université m'a invitée à co-organiser un colloque que des collègues de l'Université Paris 13, Xavier-Laurent Salvador, Fabrice Issac, deux linguistes, et Elisabeth Belmas alors Vice Présidente du Conseil d'administration et historienne, voulaient monter dans le cadre du pôle HALL (Humanités, arts, Lettres et Langues) de notre COMUE - regroupement d'établissements – USPC.

 

« L'objet du colloque était de définir ce que l'on entend par humanités numériques. Quelles sont les méthodes ? Où en sommes-nous aujourd'hui dans nos universités ? Qui se revendique des humanités numériques ? Là, ce n'est déjà pas très clair. Certains font des humanités numériques sans le savoir, certains pensent qu'ils en font, d'autres pensent ne pas en faire. Je pense qu'on est vraiment à une période clé. Est-ce qu'on choisit de restreindre ce qui pourrait être une discipline émergente du nom de « humanités numériques » à une partie de la linguistique ou non ? Le choix du colloque, c'était justement de faire intervenir toutes les personnes de nos universités qui avaient porté des projets touchant au numérique en humanités. On a une collègue qui travaille sur la question de l'identité numérique et de la mort numérique! Que devenons-nous numéri-quement lorsque nous sommes morts ?

 

Construire notre rapport au passé

 

« Qu'est-ce que c'est que de passer notre patrimoine littéraire en forme numérique ? Quelle édition choisir, comment confronter des éditions, qu'est-ce que c'est qu'un texte ? Quel est le rapport au texte institué par la numérisation ? Je pense qu'il faut s'emparer du numérique et participer à cette étape de la constitution des données numériques pour nos domaines car si on laisse faire les autres on risque de numériser des textes qui ne pourront pas forcément nous être utiles. Ce qui est en train de se développer, c'est le rapport que nous allons construire à notre passé.

 

 Comment définir le champ des humanités numériques ?

« Il y a plusieurs réponses possibles. La réponse disciplinaire de ceux qui font du traitement automatique des langues, c'est de dire que les humanités numériques, c'est le traitement des data du côté des usages de la langue - ce qui est une réponse extrêmement stricte. Il y a des transformations en ce qui concerne la relation éducative. Mais je ne suis pas très inquiète là-dessus. Tout le monde y pense ! Les acteurs du supérieur, le ministère etc, se rendent bien compte qu'on est en train de vivre quelque chose d'inédit. Comment cela transforme les façons d'apprendre, comment les apprenants qui sont connectés tout le temps ont besoin de prises électriques, comment aménager les espaces, comment le numérique peut favoriser des enseignements informels ou des apprentissages autodidactes, comment on a intérêt à utiliser les nouvelles pratiques... Les professeurs et les élèves ont toujours communiqué, pour ceux qui le voulaient ! Ce n'est pas parce qu'il y a les mails qu'on communique plus ou moins : on communique autrement, si on veut.  

Le rôle structurant des enseignants

 

 « Autrefois le professeur savait et donnait son savoir aux apprenants. Vous devez encore avoir des cours magistraux, ce qui peut paraître étonnant puisque le savoir est là, à portée de main. Même si on a toute cette abondance de savoirs dans notre simple téléphone, on s'aperçoit que finalement, on a encore besoin du rôle vertical des professeurs,  pour réorganiser, restructurer, aider l'apprenant dans ce chemin alors que tout est disponible. Mais le rôle du professeur est aussi d'amener les étudiant.e.s à savoir agir et à savoir créer dans cette abondance de ressources.

 

« Pour les MOOC, on reste globalement dans des apprentissages passifs. On peut créer des communautés d'apprenants par le MOOC qui vont co-construire des choses et apprendre en faisant, c'est le fameux « learning by doing », et l'évaluation par les pairs qui a connu un renouveau d'intérêt pour la communauté pédagogique avec le numérique. Il faut quand même à un moment des évaluateurs. Qui est l'expert? La question de la valeur de ce que l'apprenant apprend à travers des MOOC, des supports numériques, se pose.

 

Oxford... et les autres 

 

« Ce qu'il faut savoir, c'est que des universités comme Oxford ont décidé de refuser le numérique. Les profs sont excellemment bien payés pour dialoguer sans ordinateur avec des étudiants. Cela veut dire qu'ils ont un public excellent, qui sait déjà tout faire avec l'ordinateur mais que les professeurs sont là pour être en présence dans un cours de qualité en tout petit nombre. C'est bien dire que le professeur ne va pas être supprimé ! Le risque serait qu'on ait un enseignement de masse à distance pour les pauvres, un enseignement « low cost », dans lequel certaines universités américaines se spécialisent, par exemple, et un autre, un enseignement d'élite pour ceux qui peuvent payer très cher leur éducation.

 

 « Même si tout est en constante évolution sur internet, internet peut aussi figer les savoirs : même si on actualise les MOOC, il y a quelque chose de partiellement figé, pour des questions de coûts. Faire une vidéo élaborée demande du temps, de l'argent et dans nos disciplines, c'est particulièrement complexe, avec les questions de droit à l'image, droits d'auteur etc... Les humanités numériques, c'est précisément d'étudier ces transitions. 

« Ma baby-sitter m'a demandé l'autre jour s'il fallait qu'elle s'achète une tablette. Quand je lui ai demandé pourquoi, elle m'a dit que c'était pour prendre des photos des diapositives diffusées en classe... Et là j'ai appris que les étudiants de son cours prennent tous des photos des powerpoint diffusés. On arrive là à une situation assez délirante : « Comme il y a beaucoup de choses à apprendre et qu'on prend des photos, le prof ne va pas au bout de chaque diapositive... », me dit-elle. Les usages du numériques transforment l'enseignement mais il faut absolument que l'enseignant garde son bon sens et sache ce qu'il veut et ce qui est utile, dans un contexte où il n'est plus le seul maître au monde.

 

Un contrat de confiance entre apprenants et professeurs

 

« Si les étudiants ressentent le besoin d'aller consulter internet en cours, je me demande si on ne doit pas les laisser faire. Il ne me semble pas logique de nier ce qui est une réalité quotidienne. Notre rôle à l'université c'est d'apprendre à apprendre à se débrouiller dans cette réalité quotidienne et en tirer le meilleur parti. Il reste à établir un contrat de confiance entre les apprenants et leur professeur. Bien sûr le prof doit savoir se remettre en question et être critique afin d'actualiser ses cours. C'était sans doute plus confortable d'être professeur entre les années 30 et 60... mais c'est aussi une belle aventure que nous sommes en train de vivre.

 

Est-ce que la Sorbonne Nouvelle prévoit de créer un cursus d'humanités numériques? 

« C'est embryonnaire pour le moment mais on met en place un système de conférence pour créer à terme, c'est à dire rapidement, un cursus d'humanités numériques au sein de notre rassemblement d'universités. Les ministères nous y incitent, nos collègues de Paris 13 ont déjà créé un parcours de licences qu'ils ont appelé « humanités numériques ». 

« Mais à quoi rattacher ce cursus ? Est-ce qu'on peut faire un cursus hors UFR ? C'est un désir de faire converger des approches qui viennent de disciplines différentes; un ensemble de professeurs et de chercheurs vont peut-être fonder ensemble une nouvelle discipline. Le changement du paysage universitaire, c'est l'histoire des universités et des pensées, c'est en route. Cela circule : le numérique nous oblige à réinventer le présentiel et vice-versa. Il me semble que l'un des enjeux majeurs d'un point de vue institutionnel, de mon point de vue de Vice-présidente, c'est déjà de s'en rendre compte : nous vivons une transition.

 

 

Propos recueillis par eko, eli, mef, fos et spa

en décembre 2016

Photos: clr.




Fortsetzung Gespräch mit Peggy Bockwinkel: « Ich gebe Ihnen ein Bespiel. Das Libretto „Elektra“ von Hugo von Hofmannsthal habe ich nicht nur Wort für Wort gelesen, sondern mir auch quantitativ angeschaut, das heißt untersucht, welche Nomen am häufigsten vorkommen. Viele bewegen sich im Wortfeld „Haus“, z.B. „Hof“ oder „Heim“. Das hat mich überrascht. Wenn man einen Text liest, hat man oft eine schlechte Intuition über die Häufigkeit der Begriffe. Wenn man das quantitativ beleuchtet, hat man schwarz auf weiß einen Überblick über die Wortfelder und bekommt einen anderen Blickwinkel auf den Text. Im nächsten Schritt wird dann der Text nochmals im Detail auf diese Begriffe hin analysiert. Diese Schleife drehen wir eigentlich immer: Wenn wir ein Muster, bzw. Auffälligkeiten gefunden haben, gehen wir nochmals in den Text und schauen ihn Wort für Wort an. Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Methoden der Digital Humanities sollen nicht die traditionellen Geisteswissenschaften ausschalten, das ist kein „unfriendly takeover“, sondern es ist eine von vielen Möglichkeiten, Zugang zu einem Text zu bekommen. Das Beispiel verdeutlicht eine Methode, die einfach durchzuführen ist. Wissenschaftliche DH-Projekte wie CRETA beschäftigen sich damit, weitere technische Methoden zu entwickeln und zu reflektieren. 

 

Die Zukunft des gedruckten Buches...?

 

« Darauf weiß ich keine Antwort, weil ich nicht in die Zukunft schauen kann. Ich denke aber, hier stehen Angebot und Nachfrage im Vordergrund. Wenn gedruckte Bücher nicht mehr gekauft werden, werden sie irgendwann nicht mehr angeboten. Beruflich lese ich zu 98% auf dem Bildschirm und genieße vor allem die Vorzüge digitaler Inhalte. Ich finde gerade die zeitliche und ortsunabhängige Verfügbarkeit das Angenehme am digitalen Fortschritt. Auch hier nenne ich Ihnen ein Beispiel: Eine bestimmte mittelalterliche Handschrift ist nur in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel vorhanden. Ich muss dort mit dem Zug hinfahren und mich an die Öffnungszeiten halten. Ist die Handschrift digital verfügbar - und das kann in der HAB durchaus der Fall sein, da es eine digitale Bibliothek gibt - kann ich sie einfach online und rund um die Uhr anschauen. Das ist für mich als Wissenschaftler eine unglaubliche Bereicherung. Insofern sehe ich in erster Linie die Vorteile, die sich mir ergeben. Nachteile gibt es aber auch, weil man extrem abhängig ist. Wenn das WLAN nicht funktioniert oder man Schwierigkeiten mit dem Computer hat, steht man vor einem Problem. Für mich würde das bedeuten, dass ich nicht arbeiten kann. Es besteht also eine Abhängigkeit von Internet und technischen Geräten, die mittlerweile bis in unseren Alltag hineinreicht.

  

Austausch von Mensch zu Mensch im Zeitalter der Digital Humanities

 

« Wir arbeiten viel mit Computern, ohne geht bei uns nichts. Aber ein enorm wichtiger Teil unserer Arbeit ist der interdisziplinäre Austausch, die Kommunikation mit Kollegen, z.B. innerhalb eines Forschungsprojekts. Sobald man im Team und interdisziplinär arbeitet, rückt die Kommunikation in den Vordergrund. Ich kann Ihnen an einem Beispiel erklären warum: Ich habe mich mit einer Kollegin aus der Computerlinguistik über die Kanonisierung literarischer Texte unterhalten. Ab einem gewissen Zeitpunkt haben wir festgestellt, dass sich unsere Definition von ‚Kanon‘ unterscheidet. Das heißt, obwohl wir die gleichen Wörter verwendet haben, haben wir jeweils etwas anderes gemeint. Aus diesem Grund ist Kommunikation extrem wichtig: Man muss dem anderen genau zuhören, um Missverständnisse zu vermeiden. Und man muss dem anderen Fach gegenüber offen sein und nachvollziehen können, welche Forschungsinteressen der andere verfolgt. Das ist das A und O.

 

 eko, eli, mef, fos, spa. Fotos: spa.

 

 

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Projektarbeit Universität Stuttgart
Für die Abschlusspräsentationen der einzelnen Projekte wurden
Plakate erstellt, hier zum Thema „Digitale Modellierung
von Raum in literarischen Texten“.
Barth-Demsar_2016_Raumsemantik.pdf
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